29. Mai 2026

Der Duft
der Ikonen

Fashion and Beauty

Die Dokumentarreihe ICON(S) widmet sich den großen Luxushäusern und ihren ikonischen Kreationen. Zur Weltpremiere von „ICON(S): Maison Francis Kurkdjian“ in Paris war Maison Ë vor Ort, um mit Francis Kurkdjian über seine Duft-Kunst zu sprechen – als Spiegel von Kultur, Zeitgeist und kreativer Vision.

ICON(S): Maison Francis Kurkdjian

Die Dokumentation ICON(S): Maison Francis Kurkdjian ist seit dem 14. Mai 2026 auf Amazon Prime verfügbar.

(Dokumentation) Das altehrwürdige Pariser Theater L’Olympia schien am Abend der Weltpremiere des Dokumentarfilms „ICON(S): Maison Francis Kurkdjian“ nur die Kulisse für eine viel tiefere, unsichtbare Präsenz zu sein. Schon beim Betreten des Foyers lag ein unverkennbarer, magischer Duft in der Luft: Baccarat Rouge 540 – weich, samtig, sinnlich. Diese olfaktorische Signatur gab den Puls des Abends vor, im Zuge dessen das Dufthaus hinter dem Klassiker porträtiert wurde. Mittendrin, sowohl im Film als auch im Publikum, war Francis Kurkdjian selbst – der visionäre Parfümeur und Schöpfer dieses legendären Dufts.

Inspiriert von Baccarat Rouge 540 Édition Millésime ist The Alchemy of Senses eine immersive Installation, die 2025 im Palais de Tokyo in Paris präsentiert wurde und Duft in ein multisensorisches Kunsterlebnis verwandelt.

Die Kunst hinter dem Kult
Mit der Dokumentarfilmreihe ICON(S), produziert von Terminal 9 Studios unter der Regie von Matthieu Menu, widmet sich die Filmwelt den großen Luxushäusern und jenen wegweisenden Kreationen, die längst zu kulturellen Referenzen geworden sind. Die neueste Episode beleuchtet nicht einfach nur ein Parfum, sondern zelebriert Duft als Kunstwerk, als Projektionsfläche für Reflexion und als Spiegel des Zeitgeistes.

Der Film fängt die Entstehung der immersiven, multisensorischen Installation „The alchemy of senses“ (Die Alchemie der Sinne) ein, die 2025 erstmals im Palais de Tokyo in Paris gezeigt wurde. Inspiriert von der Baccarat Rouge 540 Édition Millésime versammelte Kurkdjian eine Riege außergewöhnlicher Talente um sich. In ästhetisch brillanten Bildern lässt der Film die Grenzen zwischen Parfümerie, Musik, Haute Cuisine und bildender Kunst verschwimmen und wird zu einer tiefgehenden Hommage an das französische Savoir-faire. Der Schöpfer selbst steht im Zentrum dieses interdisziplinären Dialogs. Im Interview mit Maison Ë teilt Francis Kurkdjian seine Gedanken über Ikonen, Inspiration und seine Philosophie.

David Chalmin, ein Meister der zeitgenössischen Musik, bekannt für die Verbindung von klassischen, elektronischen und Rock-Einflüssen, ist ebenfalls Teil dieser Dokumentation.

„Die Wirkung von Baccarat Rouge 540 reicht weit über die Welt der Parfümerie hinaus und inspirierte Musiker:innen, Komponist:innen, Sänger:innen und Performer:innen dazu, seine Essenz durch ihre eigene kreative Linse neu zu interpretieren.“

Francis Kurkdjian

MAISON Ë Was bedeutet der Begriff „ikonisch“ für Sie? Wie wird etwas oder jemand zu einer Ikone?

FRANCIS KURKDJIAN Ikone ist ein so überstrapazierter Begriff. Für mich bedeutet ‚ikonisch‘ zu sein, dass etwas zu einer universellen Referenz wird, die in verschiedenen Kulturen und über verschiedene Generationen hinweg anerkannt ist. Es erschafft eine Emotion oder eine Erinnerung, die den Menschen im Gedächtnis bleibt. Eine Ikone wird nicht nur wiedererkannt, sie wird tief gefühlt und ist mit einem bestimmten Moment, einer Vision oder einer Haltung verbunden. Ich glaube, etwas oder jemand wird durch Authentizität, Beständigkeit und die Fähigkeit, Menschen auf aufrichtige Weise zu berühren, ikonisch – und indem er oder es den Test der Zeit besteht.

M.Ë Welche ist für Sie demnach die ikonischste Szene im Film ICON(S)?

F.K. Die ikonischste Szene ist definitiv das Abendessen in Anne-Sophie Pics Restaurant in Paris. Stellen Sie sich das vor: Anne-Sophie Pic – ein Star der zeitgenössischen Gastronomie – ist Gastgeberin für Elias Crespin, einen führenden Kopf der kinetischen Kunst, dessen Werke dauerhaft im Louvre installiert sind. Mit am Tisch sitzen Katia und Marielle Labèque, absolute Galionsfiguren am Klavier, die das Repertoire zweier Klaviere neu definiert haben, sowie David Chalmin, ein Meister der zeitgenössischen Musik, bekannt für seine grenzüberschreitenden Fusionen aus Klassik, Elektronik und Rock. Und schließlich Cyril Teste, eine führende Figur des zeitgenössischen Theaters und Kinos. Das ist wahrlich ikonisch!

M.Ë Gibt es Gründe, warum das von Ihnen kreierte Parfum Baccarat Rouge 540 zu einer so starken Inspirationsquelle, gerade auch für viele Künstler:innen, geworden ist?

F.K. Über die Jahre habe ich beobachtet, wie Baccarat Rouge 540 nicht nur bei Duftliebhaber:innen Anklang fand, sondern auch bei Künstler:innen verschiedenster Disziplinen. Seine Wirkung reichte weit über die Welt der Parfümerie hinaus und inspirierte Musiker:innen, Komponist:innen, Sänger:innen und Performer:innen dazu, seine Essenz durch ihre eigene kreative Linse neu zu interpretieren.

Die Entstehung des Duftes war das Ergebnis intensiven Nachdenkens. Die Idee war es, den Geist und die Seele des Hauses Baccarat in einem einzigen Duft einzufangen – die Helligkeit und Dichte von Kristall zu übersetzen. Kristall entsteht durch die Zugabe von drei Komponenten: Mineralien, Feuer und Handwerkskunst. Kraftvoll und vornehm erinnert der Name Baccarat Rouge 540 an die Metamorphose eines klaren Kristalls, der sich mit 24-karätigem Goldstaub vermischt und bei 540 °C langsam zum Schmelzen gebracht wird, wodurch ein leuchtend scharlachrotes Erscheinungsbild entsteht. Es ist ein generationsübergreifender Duft mit einer einzigartigen, voluminösen olfaktorischen Signatur. Erfolg ist jedoch nie vorhersehbar.

Die beiden französischen Starpianistinnen Katia and Marielle Labèque wurden ebenfalls von Baccarat Rouge 540 inspiriert.
Meisterparfümeur Francis Kurkdjian bei der Arbeit.
Der Duft, um den sich hier alles dreht.

M.Ë Hat die Art und Weise, wie andere Künstler:innen Baccarat Rouge 540 reflektieren, Ihre eigene Einstellung zu dem Parfum verändert?

F.K. Was mich am meisten berührt, ist zu sehen, wie ein Duft über meine eigene Vision hinausleben und Teil der Kreativität anderer Menschen werden kann. Es hat nicht die Art und Weise verändert, wie ich über den Duft selbst denke, aber es hat mich daran erinnert, dass Duft etwas zutiefst Persönliches ist, das Raum für Interpretationen lässt – genau wie Kunst. Das ist es, was passiert, wenn etwas den Status einer Ikone erreicht: Man inspiriert andere.

M.Ë Was ist Ihre Vision als Künstler und Parfümeur: Geht es um die Schönheit oder um das Neue?

F.K. Ich betrachte mich selbst nicht als Künstler. Ich bin Parfümeur, ein Handwerker des Duftes. Für mich ist Parfum auf seine Art unglaublich, weil es einem unvergleichliche und unübertreffliche Gefühle vermittelt. Das ist mein Ziel. Durch Parfum erschafft man eine Schönheit, die Glück, Freude und positive Emotionen generiert. Daher sehe ich Schönheit und Neuheit nicht als Gegensätze. Mein einziges Ziel ist es, Schönheit zu erschaffen, die sich lebendig, persönlich und originell anfühlt. Letztendlich geht es darum, durch Schönheit Glück zu bringen.

M.Ë Was treibt Sie an bei neuen Kreationen für Maison Francis Kurkdjian?

F.K. Zunächst habe ich meinem Namen das Wort ‚Maison‘ (Haus) vorangestellt, um meine Überzeugung auszudrücken, dass ein Haus eine Seele, eine Geschichte und geteilte Emotionen besitzt. Das spiegelt meinen Traum wider, kleine Freuden
für andere zu erschaffen. Mein Antrieb ist es, eine sehr persönliche und aufrichtige Vision von Parfum auszudrücken und der Kunst der Parfümerie bestmöglich zu dienen. Ich möchte die Grenzen dessen, was Parfum leisten kann, sprengen und ihm neue Welten eröffnen.

M.Ë Haben Sie ein eigenes Vorbild, zu dem Sie aufschauen?

F.K. Da wäre nicht die eine Ikone. Stattdessen fühle ich mich zu jenen seltenen Seelen hingezogen, die eine Spur von Schönheit, Vision und Authentizität hinterlassen – jene Art von Menschen, die die Welt um sich herum auf leise Weise und mit natürlicher Raffinesse prägen!

 

Text
Laura Dunkelmann
Filmstills / Fotografie
Terminal 9 Studios
Umberto Nicoletti
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