Design, Geschwindigkeit
und Eleganz — The I.C.E.
St. Moritz 2026 

Places and Spaces

Der Kalender der klassischen und sammelwürdigen Automobile ist nahezu überfüllt: Woche für Woche versammeln sich außergewöhnlich seltene Maschinen vor Schlössern, Grandhotels, auf Golfplätzen, Rennstrecken und in Ausstellungshallen. Und doch gibt es kaum eine Veranstaltung, die mit dem Schauplatz des International Concours of Elegance St. Moritz konkurrieren kann – kurz: The I.C.E.

Design, Geschwindigkeit und
Eleganz im Hochwinter —
The I.C.E. St. Moritz 2026

EINE UNVERGLEICHLICHE UMGEBUNG
Seit 2019 findet The I.C.E. jährlich auf dem zugefrorenen See dieses ikonischen Alpenortes statt – jenem Ort, an dem britische Gentlemen einst ganz nebenbei den Winterurlaub erfanden. In bemerkenswert kurzer Zeit hat sich das Ereignis zu einem der bedeutendsten Concours der Welt entwickelt. Nicht allein wegen der außergewöhnlichen Qualität der präsentierten Fahrzeuge oder der dramatischen Kulisse des Engadins, sondern vor allem aufgrund einer Atmosphäre, die zugleich cineastisch und vollkommen echt wirkt.

In vielerlei Hinsicht erinnert sie an jene Welt, die Slim Aarons festgehalten hat: eine vergangene Ära müheloser Eleganz, in der Industriekapitäne zum Skifahren aufbrachen – so wie Gianni Agnelli einst in seinem coachgebauten Fiat 130 Familiare von der Chesa Alcyon, seinem Chalet in St. Moritz. Luxus wird hier nicht über Logos oder Neuheiten kommuniziert, sondern durch Rituale, Diskretion und gelebte Kontinuität bewahrt.

Wie es ein Grandhotel-Direktor einmal formulierte:
„Sollte das Ende der Welt eintreten, würden wir wollen, dass unsere Gäste es erst eine Woche später erfahren – und auch dann nur, weil der Concierge sie leise darauf hinweist.“
Natürlich ist Überfluss Teil dieses Ortes – doch er bemisst sich nicht am Preis der Dinge, sondern an ihrem Wert. Während der Wintersaison, zwischen Snow Polo, Nomad Circle und insbesondere The I.C.E. St. Moritz, verdichtet sich diese Erlebniswelt und spricht alle Sinne zugleich an.

Das Echo nicht eines, sondern gleich dreier W16-Motoren der Bugatti Bolide, das im Morgengrauen durch das Tal hallt. Die plötzliche Wärme der Wintersonne, wenn sie über die umliegenden Gipfel steigt. Der unverwechselbare Duft des Interieurs eines unrestaurierten Ferrari 250 SWB Competizione. Feine Champagnerperlen, die beim Lunch über den Gaumen tanzen.

EIN SINNLICHES SPEKTAKEL
Und schließlich der Anblick von Ikonen in Bewegung: ein Porsche 959 im Rothmans-Dakar-Look; ein Porsche 911 RSR in seiner unverkennbaren Schweizer Toblerone-Lackierung; der ehemalige Le-Mans-Rennwagen, heute straßenzugelassen, Nissan R390 GT1, gefahren von Érik Comas; sowie der furchteinflößende Audi Sport Quattro S1 E2, pilotiert von „Mr. Le Mans“ persönlich – Tom Kristensen.

Ein Superstar-Line-up in einer Superstar-Stadt – begleitet von einer Jury auf Augenhöhe. Das Gremium vereint Concours-Kompetenz und kulturelles Gewicht gleichermaßen: I.C.E.-Initiator Marko Makaus, treibende Kraft hinter der Wiederbelebung des Concorso d’Eleganza Villa d’Este; der legendäre Designer Fabrizio Giugiaro; FIA-Historic-Präsident Mathias Doutreleau; Jay Ward, Creative Director bei Pixar; J.P. Rathgen, CEO von Classic Driver; sowie Lord Norman Foster – Bewohner von St. Moritz und Gestalter der Best-of-Show-Trophäe von The I.C.E.

All dies streift jedoch nur die Oberfläche dessen, was diese Veranstaltung tatsächlich ausmacht. Ob die Klasse „Barchettas on the Lake“ – mit außergewöhnlichen Fahrzeugen wie dem einzigartigen Pontiac Vivant aus der Sammlung von Philip Sarofim, angetrieben von einem donnernden Sechs-Liter-V8 und eingekleidet in eine aerodynamische Karosserie von Herb Adams, gefertigt gemeinsam mit einer Gruppe von Rolls-Royce-Karosseriebauern, liebevoll bekannt als die „Beatles von Troy“ – oder ein Maserati 300S, einst von Juan Manuel Fangio pilotiert und heute im Besitz von Sebastian Kulczyk; der charmant-exzentrische Peugeot 203 Barbier; oder die Vielzahl weiterer Klassen und Kategorien – der Kopf des Besuchers beginnt unweigerlich zu kreisen.

Maison Ë gratuliert Fritz Burkard herzlich zum Gewinn des Best of Show bei der diesjährigen Ausgabe von The I.C.E. St. Moritz mit dem Talbot Lago T150C SS Teardrop und dankt den Veranstaltern für ihre Unterstützung.

AUTOMOBILE ALS KUNST
Elegante Proportionen, feinste Details und vielschichtige Geschichten verdichten sich in den Formen dieser Automobile. Von neueren Vertretern der Klasse „Birth of the Hypercar“, wie dem dritten Pagani Zonda, der jemals das Werk verließ (die ersten beiden behielt Pagani selbst), dem begehrten Porsche GT1 Strassenversion oder dem einzigartigen Koenigsegg-CC-Prototypen, bis hin zu den historischen „Icons on Wheels“. Fahrzeuge wie der flach geduckte Bizzarrini 5300 GT Strada in Babyblau mit marineblauem Interieur; eines von nur zwei Aston Martin DB 2/4 Drophead Coupés von 1954, gestaltet von Bertone; und das unangefochtene Juwel des Feldes – der Talbot Lago T150C SS Teardrop Coupé, in vollendeter Art-déco-Form von den legendären Pariser Carrossiers Figoni et Falaschi gefertigt, aus der Pearl Collection – stehen hier nicht nur als Automobile, sondern als rollende Kunstwerke.

Da Autos weder Sofas noch Sessel sind, entfalten sie ihre wahre Wirkung in Bewegung – und genau hier liegt eine der großen Stärken von The I.C.E. St. Moritz. Besonders dann, wenn die offenen Rennwagen der 1920er- und 1930er-Jahre hinaus auf den zugefrorenen See fahren. Ein driftender Bugatti Type 35? Ein unbezahlbarer Scuderia-Ferrari Alfa Romeo 8C 2300? Warum nicht. Die spektakulärsten Läufe werden vom Publikum mit donnerndem Applaus gefeiert.

DIE MENSCHEN HINTER DEM LENKRAD
Zu den Fahrern zählt Katerina Kyvalova, die am Steuer ihres Bentley 4½ Litre Open Tourer von 1928 mit langen, kontrollierten Drifts begeistert – und dabei großzügig Mitfahrten für Pressevertreter anbietet. Und einmal mehr Fritz Burkard, der neben dem Talbot Lago und dem Bugatti Bolide auch einen kleinen, aber nicht zu unterschätzenden Bugatti Type 13 Brescia von 1924 mitbrachte. Unter diesen Bedingungen erwies sich der Wagen als erstaunlich schnell und ließ nahezu alles hinter sich, was sein Fahrer ins Visier nahm.

DIE MENGE ALS CHARAKTER
Nicht zuletzt sind es die Besucher, die einen wesentlichen Teil von The I.C.E. St. Moritz ausmachen. Ja, nicht alle treffen den Ton, und in schwächeren Momenten wünscht man sich bisweilen eine strikt durchgesetzte Kleiderordnung. Und ja, die Veranstaltung zieht unweigerlich ein gewisses Maß an Instagram-Theater an – Pelze, Moon Boots und inszenierten Glamour, getragen mehr für die Kamera als für die Autos oder den See.

Doch auch das gehört zum Ökosystem. Denn auf jeden unbeholfenen Auftritt folgt echte Hingabe: Menschen, die sich bewusst auf eine altweltliche, eigenwillige Eleganz einlassen, die zunehmend selten geworden ist. Vintage-Schmuck und vererbte Pelze, schön getragene Hüte, übergroße Mäntel, Seiden- und Kaschmirschals im Wind. Keine Kostüme, sondern Statements. Unvollkommen, mitunter überzeichnet, aber aufrichtig. Und in ihrer Gesamtheit fügen sie dem Spektakel eine weitere Ebene hinzu – menschlich, fehlerhaft wie eine alte Analogkamera und gerade deshalb charmant. Für einen kurzen Moment fügen sich Maschinen, Landschaft und Menschen zu einem Bild zusammen – ein Szenario, das nur hier existiert und nur an diesen beiden Wintertagen.

 

Text
Błażej Żuławski
Fotografie
Mathilde Karrér

Błażej Żuławski

Szymon Adamczyk
Film
Błażej Żuławski
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