2. September 2026

Polènes
zeitlose Lederikonen

Fashion and Beauty

In weniger als zehn Jahren hat das zeitgenössische französische Lederwarenhaus Polène unser Verständnis von Luxus neu definiert – mit ikonischen, zurückhaltenden Designs aus hochwertigen Materialien, die sich durch sorgfältige Handwerkskunst auszeichnen und zu einem erschwinglichen Preis angeboten werden, der eine Generation anspricht, die nach Authentizität sucht.

(Handwerkskunst) Jeder, der Ubrique – eine Gemeinde im Süden Spaniens – besucht hat, kann verstehen, warum Antoine Mothay, Mitbegründer von Polène, seine Europareise dort beenden wollte. Was als Faszination für feinste Lederhandwerkskunst begann, veranlasste ihn dazu, ein Jahr lang gemeinsam mit lokalen andalusischen Handwerker:innen zu lernen, um die erste Produktion von Polène zu perfektionieren – und jede Kollektion seitdem. Heute leitet Antoine das 2016 gegründete Unternehmen mit Sitz in Paris gemeinsam mit seinen Geschwistern Elsa und Mathieu. Mehr als 2.200 Lederhandwerker:innen fertigen mittlerweile für die Marke – eine Zahl, die weiter wächst.

Ubrique in der Provinz Cádiz, eine letzte Bastion der Lederhandwerkskunst, die sich wacker gegen die Globalisierung behauptet, ist eine Reise wert. Eine Autostunde vom Flughafen Sevilla entfernt liegt diese kleine Stadt mit 16.000 Einwohner:innen in der Senke eines Kalksteinmassivs. Mit ihren sonnenbeschienenen, weiß getünchten Häusern ist sie ein typisches andalusisches „pueblo blanco”, doch sie hebt sich von anderen Orten ab.

Hier in Ubrique ist irgendwie jeder mit der Lederverarbeitung verbunden – wenn man nicht selbst damit arbeitet, hat man Familienangehörige, die es tun.

Ein Ort, an dem Leder lebt
Ubrique (ausgesprochen Oo-breek-eh) ist so etwas wie ein „Lederland” – ein Flickenteppich aus kleinen, familiengeführten Werkstätten (einige mit bis zu 60 Handwerker:innen), die zusammen ein zutiefst menschliches Netzwerk bilden. Hier ist jede:r irgendwie mit dem Handwerk verbunden – wenn nicht man selbst mit Leder arbeitet, dann sicherlich ein:e Verwandte:r. Ein warmer, familiärer Geist durchzieht die Gassen, in denen die Lederverarbeitung seit Generationen das tägliche Leben prägt.

Einst das streng gehütete Domizil der renommiertesten Lederhäuser und innovativsten Modedesigner:innen, ist Ubrique heute ein Magnet für neue Marken, die hochwertige Lederaccessoires in limitierter Auflage herstellen möchten und dabei auf das lokale Know-how zurückgreifen, das mit der Handwerkskunst Frankreichs oder Italiens konkurrieren kann. Die meisten Produktionsschritte werden noch immer von Hand ausgeführt, unter Verwendung des berühmten Patacabras – einem symbolträchtigen kleinen Holzhammer, dessen rhythmisches Klopfen beständig durch die Straßen hallt. Jeder Hammer ist so gefertigt, dass er eine ganze Karriere lang hält, und wird zum Weichmachen, Formen und Veredeln der Lederkanten verwendet.

Könnte es die einzigartige Topografie dieser Region sein – ihre Beschaffenheit, ihr Relief und die umliegenden Kalksteinhügel –, die die weichen, organischen Kurven und Farben der Designs von Polène inspiriert? Das französische Unternehmen bevorzugt einen taktilen, experimentellen Ansatz gegenüber vorgefertigten Entwürfen. In einer hauseigenen Prototypenwerkstatt im Pariser Studio in der Rue Montmartre arbeiten ein Dutzend Designer:innen und Modellbauer:innen eng zusammen, um die Formen und Volumen jeder Tasche zu konzipieren und eine perfekte Harmonie zwischen zeitgenössischem Design und Funktionalität zu gewährleisten. Ein exzellentes Beispiel ist die Neyu – eine Umhängetasche mit Second-Skin-Effekt –, die aus geschmeidigem Nappakalbsleder gefertigt ist und sich natürlich an den Körper anschmiegt.

Jenseits der Jahreszeiten
Ohne sich an einen saisonalen Kalender zu halten, bringt Polène etwa zwei neue Designs pro Jahr auf den Markt und experimentiert dabei mit immer neuen Variationen in Größe und Material sowie einer Auswahl an sanften, gedeckten Farben. Ein Dauerbrenner ist die Cyme – die große Version in Kamelbraun ist nach wie vor ein Favorit, dicht gefolgt von einer kleineren Größe. Unbedingt zu nennen sind außerdem die Numéro 9, ein etwas üppigeres Modell, die Numéro 10, inspiriert von Reitbekleidung und Sattlerei, sowie die Mokki, die aus 80 Teilen besteht, darunter 36 Lederbahnen. Ihr Name, der aus dem Finnischen stammt, bedeutet „Zuflucht“ und erinnert an die beruhigenden Falten und das schützende Gefühl des Leders. Das Material stammt ausschließlich aus zertifizierten europäischen Gerbereien und wird zu komplexen, originellen Formen geformt, wobei Falten und Drapierungen sorgfältig von Hand gefertigt werden. Doch durch Upcycling bringt die Marke ihre Kreativität und Praktikabilität am deutlichsten zum Ausdruck.

Alle Lederreste werden in Villamartin – dem Logistikzentrum von Polène nahe bei Ubrique – gelagert und kreativ verwertet. Bis heute sind daraus zwei neue Taschendesigns entstanden. Die Solé – eine stilisierte Version der Mesh-Tasche – besteht aus einem Netz von 240 glatten, geschwungenen Perlen, die wie von den Wellen polierte Kieselsteine aussehen. Die Perlen wurden nach einem von dem französischen Start-up Authentic Materia patentierten Verfahren hergestellt, das nach umfangreichen Forschungen zur Upcycling-Verwertung von Lederresten durch die Materialentwicklungsabteilung der Marke entwickelt wurde.

Dann gibt es noch die Wilo, eine Neuinterpretation der Numéro 9 in einer Version mit Fransen, die als Limited Edition produziert wurde und sofort ausverkauft war. Jede der drei verschiedenen Schlaufenlängen ist umgeschlagen, um einen Farbverlaufseffekt zu erzielen. Für die Herstellung einer Tasche werden 176 abwechselnd genarbte und glatte Lederstreifen zusammengenäht – ein Prozess, der zwei Paar Hände und 10 Stunden Arbeit erfordert.

In Ubrique wird ein Großteil der Lederarbeiten noch immer von Hand gefertigt – mit der ikonischen Patacabra, einem kleinen Holzhammer, dessen rhythmisches Klopfen durch die Straßen hallt.

Aus Leder gefertigt
Polène geht in seinem Engagement für Experimentierfreudigkeit und Nachhaltigkeit noch einen Schritt weiter und arbeitet mit Designer:innen und Künstler:innen zusammen, um seine Lederreste in einzigartige, limitierte Einrichtungsgegenstände zu verwandeln – von Mobjes skulpturalen Vasen über Wendy Andreus geflochtene Spiegel bis hin zu Jinya Zhaos totemistischen Uzlo-Glasskulpturen. Diese kreative Philosophie fand während der Fashion Week im neu eröffneten Curiosity Workshop ihren konkreten Ausdruck. Im Untergeschoss des Pariser Flagship-Stores von Polène auf den Champs-Élysées konnten Besucher:innen schauen, anfassen, riechen und lernen – eine sinnliche Erfahrung, welche die akribische Handwerkskunst hinter jedem Stück offenbarte.

Im Herzen dieses Geschäfts spiegelt eine monumentale Wendeltreppe die charakteristischen fließenden Kurven der Marke wider. Im Obergeschoss verschmilzt ein dreiteiliges, geschwungenes Sofa mit riesigen gepolsterten Lederröhren. Die in Paris ansässige Designerin Marianna Ladreyt, bekannt für ihre Arbeiten mit wiederverwendeten Schlauchbooten, hat zum ersten Mal ein Lederstück exklusiv für Polène handgefertigt. Weiter hinten befindet sich eine kleine, gemütliche Lounge, deren Wände mit überdimensionalen gewebten Lederstreifen verkleidet sind, eine Hommage an die Ursprünge der Marke in der Lederverarbeitung.

Das Material taucht auch an unerwarteten Stellen auf, beispielsweise auf Holztischen mit einer Oberfläche aus „Leder-Marmor“. Bei diesem Verfahren, das der iberische Künstler Jorge Penadés „Structural Skin“ getauft hat, werden mehrere hundert Kilogramm Lederreste der Marke komprimiert, wodurch natürliche Variationen und Marmorierungen zum Vorschein kommen. Noch überraschender ist, dass sich die Lederverarbeitung bis zur Kasse fortsetzt, die mit LeatherStone® von Elodie Michaud und Rebecca Fézard von hors-studio verkleidet ist. Das französische Designer- und Forscherduo hat dieses innovative Material patentieren lassen, das Lederreste in eine steinähnliche Oberfläche mit mineralischem Aussehen verwandelt.

Jeder der Einzelhandelsräume der Marke – von Paris über New York und Seoul bis hin zu Hamburg – setzt innovative Materialforschung und kreative Kooperationen in maßgeschneiderte Innenausstattungselemente auf architektonischer Ebene um. Mit den bevorstehenden Eröffnungen in Kopenhagen, Mailand und Peking baut Polène weiterhin eine still visionäre Welt auf, in der Handwerkskunst, Innovation und Sinneserfahrung im Mittelpunkt stehen.

 

 

Das berühmte Taschen-Triumvirat von Polène.
Im Pariser Flagshipstore von Polène konnten Besucher die Kunst des Handwerks sehen, berühren und erleben.
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Juliette Sebille
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