9. Oktober 2026

Von der Koppel zur
High-end-Kosmetik

Fashion and Beauty

Die schönsten Beauty-Geschichten beginnen selten im Labor. Jene der britischen Hautpflegemarke Oskia beginnt tatsächlich auf einer Koppel. Eine zufällige Entdeckung veranlasste Georgie Cleeve zur Gründung einer Marke, die Hautpflege nicht als Kosmetik, sondern als Form zellulärer Ernährung versteht. Maison Ë wollte diese Geschichte von ihr persönlich hören.

Georgie Cleeve hat mit OSKIA eine der spannendsten unabhängigen Marken der modernen Luxus-Beautywelt geschaffen und dabei nahezu jede bedeutende Auszeichnung der Branche erhalten.

(Ihre Vision, ihre Marke) Als Georgie Cleeve nach schweren Knieverletzungen befürchten musste, ihre sportliche Laufbahn im Skisport aufgeben zu müssen, griff sie zu einem unkonventionellen Mittel, der ihr Leben verändern sollte: MSM (Methylsulfonylmethan), eine natürlich vorkommende schwefelhaltige Verbindung, die im Unternehmen ihres Vaters als Nahrungsergänzungsmittel zur Stärkung von Pferdegelenken eingesetzt wurde. Warum die Wirkung also nicht auch beim Menschen probieren? Cleeve begann, MSM einzunehmen. Und während sich ihr Knie tatsächlich erholte, trat eine weitere unerwartete Wendung ein: Auch ihre aknegeplagte Haut wurde sichtbar besser.

Für Cleeve war diese persönliche Erfahrung Ausgangspunkt einer Idee, die damals kaum jemand verfolgte. Wenn ein Inhaltsstoff den Körper von innen heraus stärken kann, warum sollte Hautpflege nicht ebenfalls bei der Zellgesundheit beginnen? Aus dieser Überzeugung heraus entstand 2009 Oskia. Der Markenname leitet sich vom Altgriechischen „oski“ ab – einem Wort für Nahrung oder Versorgung – ein Hinweis auf die Philosophie, die bis heute das Fundament der Marke bildet. Denn statt kurzfristiger Effekte geht es bei Oskia um nachweisliche Wirksamkeit basierend auf der Idee der Zellernährung.

Lange bevor Begriffe wie Longevity oder Biohacking in der Beauty-Welt zum festen Vokabular gehörten, entwickelte Oskia einen Ansatz, der die Haut nicht nur oberflächlich behandeln, sondern ihre biologischen Funktionen gezielt unterstützen soll. Im Zentrum stehen dabei bioverfügbare Nährstoffe – darunter Vitamine, Mineralstoffe, Peptide, Aminosäuren und Proteine –, die mithilfe fermentierter und mikroverkapselter Technologien besonders effizient in die Formulierungen eingebracht werden. Ergänzt werden sie durch klinisch erforschte Wirkstoffe wie Präbiotika, pflanzliche Stammzellen und natürlich dem markeneigenen MSM Regen Complex™, der auf Georgie Cleeves ursprünglicher Entdeckung basiert.

Damit ist Oskia nicht nur eine der interessantesten unabhängigen Stimmen im modernen Luxus-Beauty-Segment, sondern hat mit diesem Ansatz auch jeden ernstzunehmenden Preis in der Beauty-Branche gewonnen.

„Es begann wirklich mit dem Inhaltsstoff, nicht mit einer Markenidee oder dem Wunsch, Teil der Beauty-Industrie zu sein.“

Georgie Cleeve, Gründerin von Oskia

Maison Ë Wie kommt man darauf, aus einem Pferdenahrungsergänzungsmittel eine Beauty-Brand zu machen?

Georgie Cleeve Es begann wirklich mit dem Inhaltsstoff, nicht mit einer Markenidee oder dem Wunsch, Teil der Beauty-Industrie zu sein. MSM – Methylsulfonylmethan – ist eine natürlich vorkommende Schwefelverbindung, die das Unternehmen meines Vaters, NAF, vor über 40 Jahren als Vorreiter für Gelenkpräparate in der Pferdeernährung eingeführt hatte. Als Teenager hatte ich mehrere Knieoperationen und nach der letzten wurde mir gesagt, dass ich nie wieder Ski fahren würde. Meine Mutter war im britischen Ski-Team, daher war Skifahren ein großer Teil meines Lebens. Mein Vater überredete mich, MSM zu probieren – sozusagen als sein menschliches Versuchskaninchen. Mein Knie erholte sich und quasi nebenbei veränderte sich auch meine Haut: Ich hatte seit meinen Teenagerjahren mit Akne-Schüben, Rosazea und Ekzemen zu kämpfen. Die Einnahme von MSM ließ all das verschwinden. Nägel, Haare – das alles verbesserte sich.

Als ich dann Food-Redakteurin bei Condé Nast war und mich viel mit Ernährung beschäftigte, kehrte ich immer wieder zum selben Gedanken zurück: Warum hat noch niemand die Ernährungswissenschaft auf die Hautpflege übertragen? Die Lebensmittelwissenschaft verstand, wie Nährstoffe auf Zellen wirken. Die Hautpflege hingegen hatte diese Verbindung noch nicht integriert. Also stellte ich ein Team aus Ernährungswissenschaftler:innen, Kosmetikforscher:innen und Ärzt:innen zusammen, und wir arbeiten seitdem an der Frage: Was braucht die Haut auf biologischer Ebene wirklich, um richtig zu funktionieren?

M. Ë Frauen als Gründerinnen: Ist das eher ein Vor- oder Nachteil, speziell in der Beauty-Branche?

G. C. Beides. Der Vorteil liegt auf der Hand: Frauen in unserer Branche unterstützen sich gegenseitig außergewöhnlich stark – wir helfen einander, und ich bin natürlich auch meine eigene Kundin. Ich verstehe aus persönlicher Erfahrung, was Frauen in jeder Lebensphase von ihrer Haut brauchen, weil ich es selbst durchlebt habe. Die Hürden sind aber ebenso real: Zugang zu Kapital, Glaubwürdigkeit in bestimmten Kreisen, die Vorurteile, die einige Menschen haben. Man gewöhnt sich daran und baut etwas auf, das gut genug ist, dass die Arbeit für sich selbst spricht. Ich bin auch stolz darauf, Teil der Buy Women Built-Bewegung zu sein, einer Initiative und Konsumentenbewegung, die dazu aufruft, gezielt Produkte und Dienstleistungen von Unternehmen zu kaufen, die von Frauen gegründet wurden.

M. Ë Haben Sie jemals ans Aufgeben gedacht?

G. C. Eine unabhängige Marke zu führen bedeutet, ständig schwierige Entscheidungen treffen zu müssen, oft mit unvollständigen Informationen. Es gibt Momente, in denen es sich anfühlt, als würde dies nie enden. Was mich durchhalten lässt, ist die Wissenschaft und der tatsächliche Einfluss, den wir auf das Leben der Menschen haben. Ich habe noch nie ein Produkt entwickelt, bei dem ich nicht selbst getestet habe, ob es wirkt. Ich bin also persönlich so sehr involviert, dass ich nicht aufgeben könnte, egal, wie schwer es ist.

„Die Frau über vierzig ist die bestinformierte und anspruchsvollste Hautpflege-Käuferin auf dem Markt. Sie wurde viel zu lange vernachlässigt!“

Georgie Cleeve, Gründerin von Oskia

M. Ë Was hat ihr Verständnis von Schönheit geprägt?

G. C. Die Wissenschaft, mehr als alles andere! Ich bin nicht mit einem konventionellen Verständnis von Schönheit aufgewachsen, sondern umgeben von Tierärzt:innen, Pferden, Skifahren, Sportler:innen und Ernährung. Der Rest ist nur Oberfläche. Das ist nicht die glamouröseste Antwort, aber es ist die ehrliche, und es ist eben mein „Beauty-Fundament“.

M. Ë Welche Entwicklungen würden sie der Beauty-Branche wünschen?

G. C. Was ich gerne sehen würde, ist mehr Ehrlichkeit – weniger trendjagende Inhaltsstoffe, mehr Transparenz darüber, was wirklich funktioniert und warum, sowie ehrliche Angaben zur prozentualen Wirksamkeit. Und eine echte Auseinandersetzung damit, wer die Kundin eigentlich ist. Die Frau über vierzig ist die bestinformierte und anspruchsvollste Hautpflege-Käuferin auf dem Markt. Sie wurde viel zu lange vernachlässigt!

Text
Laura Dunkelmann
Fotografie
PR
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