Max Mara –
Der Mantel als Manifest

Fashion and Beauty

In einer Ära der Geschwindigkeit und des Spektakels schafft Ian Griffiths Momente der Stille. Als Kreativdirektor von Max Mara versteht er Mode nicht als Bühne, sondern als feines Gefüge von Bedeutung – eine Architektur der Zurückhaltung und Eleganz, die die moderne Frau in den Mittelpunkt rückt. Der berühmte Mantel, einst als Symbol weiblicher Unabhängigkeit entworfen, bleibt der Fixpunkt dieser Vision.

IAN GRIFFITHS, Kreativdirektor, EINST EIN PUNK MIT REBELLISCHER SEITE, HEUTE EIN STILLER REVOLUTIONÄR DER MODE BEI MAX MARA.

(Modegeschichte)Einst ein Punk mit Hang zur Rebellion, ist Ian Griffiths bei Max Mara zu einem stillen Revolutionär der Mode geworden. Mit seinen Designs kultiviert er eine Ästhetik von Klarheit und Ruhe – eine Vision, in der Handwerk, Disziplin und Emotion das Spektakel überdauern.
Griffith denkt in Proportion statt Ornament, in Beständigkeit anstelle von Trend.Mit seinen Entwürfen schafft er keine weiteren saisonalen Accessoires; vielmehr kreiert er einen Rahmen für Identität, eine Struktur zum Leben.

Form als Selbstermächtigung
Als Achille Maramotti 1951 Max Mara gründete, befand sich das Nachkriegs-Italien gerade im Aufbruch – neu geformt durch Design und Innovationen. Rationale Konstruktionen, materielle Ehrlichkeit und funktionale Schönheit prägten diese Epoche auf allen Ebenen: von der Architektur bis zur Mode. Maramotti brachte amerikanische industrielle Methoden in die europäische Schneiderei und verband damit Präzision mit italienischem Handwerk. Es handelte sich um eine überaus pragmatische Vision von Fortschritt – Design, das auf das Wesentliche reduziert wird, geschaffen, um zu funktionieren und sich weiterzuentwickeln.

Lange bevor Gender-Neutralität in der Mode zum Thema wurde, begann Max Mara, sie neu zu denken. Ende der 1950er-Jahre verwandelte das Haus den traditionell maskulinen Camel Coat in ein Kleidungsstück für Frauen – eine leise Revolution, die ein Symbol patriarchaler Autorität in ein Emblem persönlicher Unabhängigkeit verwandelte.

Mit derselben Präzision und Klarheit gefertigt wie das Tailoring der Herren, eröffnete er Frauen eine neue Stärke – unaufdringlich, intellektuell, subtil radikal. Was als leise Rebellion begann, hat sich zu einer Sprache der Befreiung entwickelt, in der Struktur der Bewegung dient und Selbstvertrauen nach eigenen Maßstäben definiert wird. In einen klassischen Max-Mara-Mantel zu investieren, heißt, sich auf diese Haltung einzulassen. Mit Präzision gefertigt und auf Langlebigkeit gedacht, verkörpert er eine Form kultureller Intelligenz – das Verständnis, dass wahrer Luxus eben nicht im Überfluss liegt, sondern in der Verfeinerung des Wesentlichen.

Eine Ikone seit 1981. Der Max Mara Mantel 101801.

MAX MARA HW25
KAMELFARBENER WICKELMANTEL MIT STRICKEINSÄTZEN

Die Max Mara Frau investiert
in das, was bleibt – nicht für Status,
sondern für sich selbst.

Max Mara HW25
Langer Verna-Mantel aus Kamelhaar mit Gürtel in Waldgrün

Design als Logik
Als Ian Griffith Ende der Achtzigerjahre zu Max Mara kam, trat er in diese Linie mit dem Blick eines Architekten. Er studierte zunächst Architektur an der Universität Manchester – umgeben vom Puls der New-Wave-Szene, die sein Gespür für Rebellion und Proportion schärfte – bevor er am Royal College of Art in London lernte, Struktur in Stil zu übersetzen.

Griffiths betont oft, dass seine Ausbildung Instinkt und Disziplin zugleich geprägt hat. Manchester gab ihm rohe Energie – das Wissen, dass Kreativität aus Lärm und Rebellion entstehen kann. London lehrte ihn, diese Energie zu kanalisieren und Instinkt in Struktur zu verwandeln. Hier entwickelte er seinen Sinn für Funktionalität – die Überzeugung, dass gutes Design nicht in der Geste liegt, sondern in der Intention. Er nähert sich Kleidung wie ein Architekt: Nähte werden zu Linien, der Schnitt zum Plan, die Silhouette zum Volumen des Raumes.

Während seiner Zeit am Royal College of Art nahm Griffiths an einem Max-Mara-Designwettbewerb teil – und gewann. 1987 kam er dann zu der Maison. Was als akademisches Experiment begann, entwickelte sich zu einem der beständigsten kreativen Dialoge der Mode: ein Architekt, der sein Material in Wolle und Kaschmir fand.

MAX MARA HW25
Langer Wollmantel in Kirschrot
Hinter den Kulissen der F/W25-Show – Eleganz in Vorbereitung.

Der Mantel – Architektur des Selbstbewusstseins
Die Mäntel von Max Mara verzichten auf dekorative Elemente. Sie sind Strukturen des Selbstbewusstseins – Architekturen der Präsenz, entworfen, um das Leben einer Frau zu begleiten, nicht um es zu definieren.

Kaum ein Kleidungsstück verkörpert den Modernismus so klar wie der Schnitt des „101801“, entworfen von Anne-Marie Beretta im Jahr 1981. Seine Geometrie ist präzise, sein Zweck absolut, seine Erscheinung zugleich rational und sinnlich. Jede Weiterentwicklung – vom skulpturalen „Manuela Coat“ bis zum haptischen „Teddy Coat“, den Ian Griffiths 2013 einführte – setzt denselben stillen Dialog zwischen Struktur und Emotion fort. Im Laufe der Jahre hat Griffiths diese architektonische Intelligenz in seinen Kollektionen mit konstanter gestalterischer Präzision weiterverfolgt.

Die Herbst/Winter-Kollektion 2014 erkundete die Sprache des rationalen italienischen Modernismus – monumentale Silhouetten in Camel und Beton, die von Beständigkeit und Klarheit erzählten. Zwei Jahre später verdichtete die Herbst/Winter-Kollektion 2016 diese Idee zu einer vom Bauhaus-inspirierten Studie – mit geometrischen Volumen, die zugleich schützend und schwerelos wirkten. Für die Resort-Kollektion 2018 ließ sich Griffiths von Eileen Gray, Architektin und Ikone des modernen Interieurs, inspirieren. Ihre Fähigkeit, funktionale Disziplin mit poetischer Intimität zu vereinen, spiegelt die DNA von Max Mara auf besondere Weise wider. Griffith übersetzte Grays architektonische Codes – klare Geometrie, leise Töne, taktile Oberflächen – in Tailoring und Outerwear, die zugleich strukturiert wie auch weich wirkten.

Das Gespräch zwischen Struktur und Raum wurde in der Herbst/Winter-Kollektion 2022 greifbar – ein architektonischer Dialog in Bewegung, in einer Kollektion mit dem Titel „Modernist Magic“, inspiriert von der Dada-Künstlerin Sophie Taeuber-Arp, in der Falten auf Kurven reagierten und Licht im Stoff widerhallte. In seiner aktuellen Herbst/Winter-Kollektion 2025 wendet sich Griffiths der Literatur statt der Architektur zu und lässt sich von den Brontë Sisters inspirieren – Frauen von Intellekt und Überzeugung, deren Stärke aus der Introspektive erwuchs. Sie entfaltet sich in Wolle, Kaschmir und Alpaka, in Schatten und in Licht – Intention, sichtbar geworden in der Stille.

Durch Griffiths’ Blick steht die Max-Mara-Frau in stiller Opposition zur Geschwindigkeit. Sie investiert in das, was bleibt – nicht für Status, sondern für sich selbst. Ihr Mantel wird zugleich Schutz und Architektur: Intimität in Struktur gefasst, Stärke, die sich in Sanftheit ausdrückt.

Text
Astrid Doil
Fotografie
PR
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