Artists to Watch
Die Sprache der Form
Diese Ausgabe stellt zwei Künstler:innen vor, die Material als ein fortwährendes Forschungsgebiet behandeln. In Heidi Laus Skulpturen wird Ton zu einem Gefäß für zeitlichen Wandel, in Sayan Chandas rituell geprägten Werken finden textile Traditionen neue Resonanz.
Heidi Lau
Heidi Lau (geb. 1987) untersucht in ihren von Ton inspirierten Arbeiten die Vergänglichkeit der Zeit. Ihre handgefertigten Skulpturen reichen von kompakten Figuren bis hin zu immersiven, ortsbezogenen Installationen, die durch kontinuierliche Auflagerung entstehen. Wirbelsäulenartige Stapel und mineralähnliche Oberflächen deuten auf architektonisches Gedächtnis und imaginäre Relikte hin, während mythische und historische Bezüge ihre Formen leiten.
Beeinflusst von Mingqi – chinesischen Grabfiguren – entwickelt Lau Gefäße, die als Portale in Zustände von Wachstum, Verlust und Erneuerung fungieren. Glasierter Ton, Glas und Bronze werden zu hybriden Wesen transformiert, die gleichzeitig alt wirken und sich dennoch entfalten, wobei ihre Konturen Spuren von Landschaft und Geist enthalten.
Die in Macao geborene und heute in New York lebende Lau hat ihre Werke bereits im Metropolitan Museum of Art, dem Bronx Museum of the Arts, dem Macao Museum of Art und Matthew Brown Los Angeles ausgestellt, mit zusätzlichen Präsentationen an Orten wie Wave Hill und dem Boston Center for the Arts. Ihre Arbeiten wurden darüber hinaus im Macau-China-Pavillon auf der Biennale in Venedig gezeigt.
Glasierter Ton, Glas und Bronze verwandeln sich in hybride Wesen, die sich uralt anfühlen und dennoch in der Entwicklung begriffen sind und in ihren Konturen Spuren von Landschaft und Geist bewahren.
Sayan
Chanda
Durch eine intime, materialbewusste Praxis interpretiert Sayan Chanda (geb. 1989) Votivformen, Volksgötter und mythische Abstammungslinien mit Fasern und Ton neu. Web-, Näh-, Färbe- und Handformtechniken entfalten sich als instinktive Gesten und lassen Wesen entstehen, die zeremoniell wirken, aber nicht an einen bestimmten Ort oder eine bestimmte Epoche gebunden sind.
Häufig verwendet Chanda für seine Arbeiten Materialien aus dem häuslichen Umfeld: Vintage-Quilts aus Bengalen werden in Streifen gerissen, gefärbt und mit Baumwolle, Wolle, Jute und Sisal neu gewebt, wodurch Erinnerungen durch die Form weiterleben. Seine Werke stehen in der Tradition des häuslichen und rituellen Traditionen und erinnern an Objekte, die zu Leitungs-, Opfer- und Ritualzwecken hergestellt wurden. Chanda studierte Textildesign am National Institute of Design in Indien und schloss später einen Master of Arts in London ab, wo er heute lebt und arbeitet. Seine Kunst wurde von Cample Line in Schottland und in England auf der British Textile Biennial, in der Saatchi Gallery und bei Jhaveri Contemporary ausgestellt.
Web-, Näh-, Färbe- und Handformtechniken entfalten sich als instinktive Gesten und lassen Wesen entstehen, die zeremoniell wirken, aber nicht an einen bestimmten Ort oder eine bestimmte Epoche gebunden sind.