27. März 2026

Artists to Watch
Denken in Materialien

Art and Design

In dieser Ausgabe stellen wir zwei Künstler:innen vor, die Material als eine Form des Denkens nutzen. Athar Jaber meißelt Marmor zu eindringlichen Meditationen über Ausdauer und Verletzlichkeit während Lotus L. Kang die Grenzen von Materie und Wahrnehmung durch Werke testet, die atmen und dann verfallen. Beide verfolgen einen Dialog zwischen Beständigkeit und Veränderung, zwischen dem, was erhalten bleibt, und dem, was vergeht.

Athar
Jaber

Athar Jaber (geb. 1982) nähert sich Marmor mit Ehrfurcht und Dringlichkeit. Jeder Meißelschlag offenbart eine Spannung zwischen Ausdauer und Verletzlichkeit, während die Figuren nur teilweise aus ihrem Stein befreit werden. In Taille-directe-Technik bearbeitet er Carrara-Marmor von Hand und hält dabei einen ununterbrochenen Austausch zwischen Gedanken und Material aufrecht. Jaber wurde als Sohn irakischer Eltern in Rom geboren und lebt heute in den Vereinigten Arabischen Emiraten. Er überträgt die klassische Bildhauerei in die Gegenwart und nutzt den Körper als Gefäß, in das kollektive und politische Geschichten eingeschrieben sind. Seine jüngste Teilnahme an der Abu Dhabi Public Art Biennale (2024) und seine Einzelausstellung „Vestiges“ in der Ayyam Gallery in Dubai (2025) unterstreichen eine Praxis, die sowohl auf technischer Meisterschaft als auch auf menschlicher Neugier basiert. Mittels Bildhauerei, Performance und Film befasst er sich damit, wie die Körperlichkeit das erträgt, was Zeit und Konflikt ihr auferlegen.

Lotus L.
Kang

Die in Toronto geborene und in New York lebende Lotus L. Kang (geb. 1985) arbeitet mit Film, Papier, Metall und organischen Materialien und untersucht Transformation sowohl als Prozess als auch als Zustand. Ihre Installationen wirken in ihrer Umgebung lebendig: Lichtempfindliche Filme verdunkeln sich, Gewächshäuser speichern Feuchtigkeit und Wärme, und metallische Oberflächen absorbieren Spuren von Berührungen und Zeit. Ausgehend von ihrem koreanischen Erbe und ihrer Erfahrung als Diaspora-Künstlerin verknüpft Kang das Persönliche mit dem Elementaren und zeigt, wie Materialien Erinnerungen bewahren. In Already (2025) im Tribeca’s 52 Walker schuf Kang eine Atmosphäre, die auf Licht und Temperatur reagiert, und setzte damit ihre fortlaufende Auseinandersetzung mit Durchlässigkeit, Vergänglichkeit und Vererbung fort. Durch diese veränderlichen Kompositionen reflektiert Kang darüber, wie Körper, Geschichten und Umgebungen sich gegenseitig ständig verändern.

Text
Anna Dorothea Ker
Fotografie
Athar Jaber | Lance Gerber
Courtesy of the Artist and Whitney Museum of American Art | Filip Wolak | Sara Cwynar
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